beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neu in "denken"

Der Thermomix

Im zehnten Beitrag aus unserer Serie über “Küchengeräte – wie Haushaltsgeräte die Care-Arbeit veränderten” schreibt Antje Schrupp über den Thermomix.

Neu in "lesen"

Pucki, Allerleirauh und Winnetou. Als Leserin die Ambivalenz von Texten genießen

Inwieweit werden überkommene Rollenbilder aus Büchern von Mädchen übernommen? Was passiert eigentlich beim Lesen altmodischer oder problematischer Texte? Darüber hat sich Andrea Günter Gedanken gemacht.

Neu in "denken"

Wer ist eigentlich „Ihr“?

25-jähriges Abi-Treffen und kein Klima-Aktivismus bei meinen ehemaligen Mitschüler*innen in Sicht. Warum ist das so? Ein paar (ostdeutsche) Gedanken dazu.

Neu in "leben"

Die Kaffeemaschine

Das nächste Haushaltsgerät in unserer Reihe ist die Kaffeemaschine. Kathleen Oehlke denkt darüber nach, wie die verschiedenen Zubereitungsverfahren und -geräte das Kaffee kochen zu Hause und in Büroküchen beeinflussen.

Neu in "lesen"

Den Tod ins Leben holen

Ajana Holz hat ein Buch über eine lebendige Bestattungskultur geschrieben.

Neu in "lesen"

Viele Spuren der alten Göttin

Allen, die sich für Maiköniginnen, Sirenen und die drei Jungfrauen interessieren oder vielleicht noch gar nichts von ihnen wissen, denen sei dieses Buch empfohlen.

Schwierige Themen zwischen den Generationen gab es schon immer, vielleicht sind wir, die Boomer, jetzt mal dran, es besser zu machen?

Von Heike Brunner

© Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung

Als ich Kind war, rebellierten die 1968er gegen die Eltern, die sich nach dem Krieg nach Struktur, Reinheit und Sauberkeit sehnten und die die feministischen Werte wieder auf jene der Kaiserzeit zurückschraubten. Aktuell nehme ich zwei große Generationenkonflikte wahr. Da ist zum einen das Engagement der jungen Menschen gegen die Klimakatastrophe – völlig zu recht, und zum anderen sind da die jungen queeren Menschen mit und ohne Gebärmutter, die sich und ihre Rechte – ebenfalls völlig zu recht, positionieren wollen.

Achtung scheint das Schlüsselwort auf allen Ebenen zu sein. Mehr davon tut Not. Warum meine Generation, die der um 1960 Geborenen, sich darüber aufregt, statt zu respektieren, dass “Kinder” demonstrieren gehen, verstehe ich in einem demokratischen Land nicht. Ich selbst war mit zwölf auf antirassistischen Demos, mit knapp vierzehn auf der Räumung des Hüttendorfes an der Startbahn-West und mit elf schon auf den damaligen großen Schülerdemos in Hessen. Wer und Welche das nicht erlebt hat oder nicht erleben konnte aus Mangel an Demokratie oder davon gar nichts mitbekommen hat, hat einen wichtigen Teil bundesdeutscher Geschichte verpasst. Es ist nicht das erste Mal, dass Jugendliche engagiert, informiert und freiwillig für demokratische Werte oder diese nutzend, auf die Straße gehen.

Auch die Spaltung der feministischen Szene ist nichts Neues. Aktuell bewegt sie sich zwischen “alt” Feministinnen, die als TERF bezeichnet werden und der tendenziell jüngeren LGTBQ+ Bewegung. Unterschiedliche Sicht- und Vorgehensweisen begleiten die feministische Bewegung ebenfalls schon mehr oder weniger seit der Entstehung und zwar auch im Konflikt der Generationen. Auch jetzt handelt es sich primär um eine horizontale Differenz innerhalb der Bewegung zwischen alt und jung und nicht um eine vertikale Spaltung, aufgezwungen von “denen da Oben”, bzw. einer intellektuellen Elite, auch wenn das in Verschwörungstheorien leichtfertigerweise behauptet wird. Diese Spaltung einer übergeordneten Macht zuzusprechen, ist auch eine Form des nicht Anerkennens. Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es die Spaltung in konservative feministische Frauenzirkel und die “moderne” feministische Frauenbewegung. Die “Moderne” waren jüngere, radikalere Frauen, die Freiheit und Entfaltung, einen modernen, (sexuell-) selbstbestimmten Lebensstil, weg von patriarchal geprägten Familiennormen, beanspruchten.

Hier direkt ein Lesetipp: Ingvild Richardsen: Leidenschaftliche Herzen, feurige Seelen – wie Frauen die Welt veränderten. S. Fischer.

Auch damals wurde sehr um einen richtigen Weg gerungen.

Mehr Toleranz gegenüber den jungen Menschen und Anerkennung ihrer Sorgen ist daher meine Parole zum Herbst, wenn Klimastreik und der Tag des Safe Abortion Day anstehen. Auch wir, die seinerzeit neue Wege gingen, hätten uns Anerkennung gewünscht und müssen nun schauen, wo wir uns als „Alte“ hin-, statt wegbewegen. Das scheint mir zumindest unsere “Boomer” Aufgabe zu sein.

beziehungsweise…

… ist ein Internetforum, das, von Beziehungen unter Frauen ausgehend – daher der Titel – , ein philosophisches und politisches Gespräch ermöglicht. Es ist aus dem Wunsch der Initiatorinnen heraus entstanden, eine Plattform für Ideen zu schaffen, die ausgehend von der weiblichen Liebe zur Freiheit die Welt verstehen und Gesellschaft gestalten. Es bietet eine Möglichkeit, Gedanken zu entwickeln und zu diskutieren, unterschiedliche Projekte und Netzwerke miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen, Informationen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen, neue Ideen zur Welt zu bringen. An diesem Projekt kann sich grundsätzlich jede Frau aktiv beteiligen, die in irgendeiner Weise mit einer der Redakteurinnen oder Autorinnen in Beziehung tritt.

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Illustration: Annekatrin Zint