beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neu in "denken"

Ruthie

Ein Brief als erweiterter Kommentar zu Maria Coors Artikel über Trans-Geschlechtlichkeit

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Auf den Spuren von Rosa L. – ein Berlinstadtführer

20 Jahre hat die bekannte polnisch-jüdische Revolutionären bis zu ihrer Ermordung in Berlin gelebt. 40 Stationen ihres Lebens in Berlin werden biografisch dargestellt.

Neu in "denken"

Die Offenbarung der Realität

Monika Brigo empfiehlt die Relektüre eines Textes von Maria Milagros Rivera Garretas aus dem Jahr 1996, in dem sie beschreibt, wie die Begegnung mit dem Denken italienischer Feministinnen ihren eigenen Feminismus verändert hat.

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Die Gesänge der Sarah Maldoror

Die Kinothek Asta Nielsen e.V. veranstaltet in Frankfurt und Umgebung eine Filmreihe “Sarah Maldoror. Ein Kino der Nähe, der kollektiven Verantwortung und des Teilens”. Jutta Pivecka sah “Sambizanga” (1972) und war begeistert von diesem starken, poetischen Film.

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Gender und sexuelle Differenz, Teil 2: Annarosa Buttarelli über die Bedeutung von „Frau“

Diotima-Philosophin Annarosa Buttarelli darüber, wie sie in der Begegnung mit einer Studierenden angeregt wurde, neu darüber nachzudenken, was sie mit dem Begriff „Frau“ verbindet und warum sie diesen „Namen“ auch mit trans Frauen teilen kann.

Neu in "denken"

Merleau-Ponty 2: Farben. Die Unbewusstheit der Wahrnehmung. Natur und Sprache. Mensch und Tier.

Zweiter Teil von Chiara Zambonis letztem Kapitel über das Denken Merleau-Pontys zur Natur

Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber …

Von Dorothee Markert

… nach Putins Überfall auf die Ukraine befürwortete ich ohne langes Hin und Her Waffenlieferungen, damit dieses Land eine Chance hat, sich zu verteidigen. Das vertrug sich schlecht mit meinem bisherigen Selbstbild. Doch wenn ich genau hinschaue, war ich in meinem Pazifismus auch vorher nicht so gefestigt, wie ich glaubte.

Krieg sei etwas Hundsgemeines, sagte mein Vater. Er hatte seine Jugend und die jungen Erwachsenenjahre in Uniform verbracht, bis zu seiner Gefangenschaft in dem Glauben, das Richtige zu tun. Und ich war durch jene Aussage, mein christlich geprägtes Aufwachsen und den Zeitgeist zu einer überzeugten Pazifistin geworden.

Bis ich mit 21 Jahren durch den Schulungsleiter einer ultralinken Gruppe an einem einzigen Nachmittag „einsah“, dass ich mich mitschuldig machte an der Ausbeutung von Werktätigen und an imperialistischen Kriegen, wenn ich nicht auf der richtigen Seite zu kämpfen begann. Als die USA dann Nordvietnam bombardierte, sammelte ich Geld für Waffen für Nordvietnam.

Ich blieb nicht in der Linken, doch mir blieb die Überzeugung, dass man gegen Ungerechtigkeit kämpfen muss. Aber natürlich nicht mit Gewalt, sondern mit Worten und einem konsequenten Engagement für gerechtere Verhältnisse. Bei den großen Friedendemonstrationen konnte ich also wieder dabei sein. 

Im Rahmen der Frauenbewegung lernte ich in einem Wen-Do-Selbstverteidigungskurs, mir die Scheu abzutrainieren, einem Angreifer Gewalt anzutun und das Risiko einzugehen, ihn dabei auch zu töten. Und ich übte auch in den letzten Jahren wieder Karate, um notfalls in der Lage zu sein, mich und meine Frau zu verteidigen. 

Wenn ich mir selber gegenüber ehrlich bin, war ich auch nicht eindeutig gegen den Einsatz von Waffen, als es darum ging, den Völkermord in Bosnien zu beenden. Und auch nicht beim Krieg gegen die Taliban. Ja, und zur Unterstützung der syrischen Revolution hätte ich mir sogar gleich zu Beginn ein Eingreifen des Westens gewünscht, um eine Flugverbotszone durchzusetzen, was auch nur mit Waffengewalt möglich gewesen wäre. 

Autorin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 20.06.2022
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beziehungsweise…

… ist ein Internetforum, das, von Beziehungen unter Frauen ausgehend – daher der Titel – , ein philosophisches und politisches Gespräch ermöglicht. Es ist aus dem Wunsch der Initiatorinnen heraus entstanden, eine Plattform für Ideen zu schaffen, die ausgehend von der weiblichen Liebe zur Freiheit die Welt verstehen und Gesellschaft gestalten. Es bietet eine Möglichkeit, Gedanken zu entwickeln und zu diskutieren, unterschiedliche Projekte und Netzwerke miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen, Informationen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen, neue Ideen zur Welt zu bringen. An diesem Projekt kann sich grundsätzlich jede Frau aktiv beteiligen, die in irgendeiner Weise mit einer der Redakteurinnen oder Autorinnen in Beziehung tritt.

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Illustration: Annekatrin Zint